Galerie Bassenge: Old & New Masters Paintings and 15th-19th C Drawings: Lot 6046
Deutsch, um 1835: Schwarze Amazone mit Cigarillo
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Deutsch, um 1835: Schwarze Amazone mit Cigarillo
um 1835. Schwarze Amazone mit Cigarillo. Öl auf Leinwand. 72 x 58,5 cm.
Dieses Bild aus den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts ist ein Werk von rätselhafter Schönheit. Auf mehreren Ebenen zugleich entfaltet dieses faszinierende Pasticcio eine Wirkung, der man sich kaum entziehen kann. Denn zeigt uns der Maler hier wirklich allein das Portrait einer jungen Frau aus den Wäldern Brasiliens? Eine verhalten lächelnde, mit ihrem sanften Charme den Betrachter einnehmende belle sauvage tritt vor uns als stolze Amazone der besonderen Art. Die Momente der Fremdheit und des Vertrauten, der Ferne und der Nähe, verkörpert sie dabei in idealer Weise: Gelassen ein Zigarillo rauchend, bringt sie dem Betrachter die von der Natur geschenkte Erfahrung des Tabakgenusses nahe, der soeben in den Anfangsjahrzehnten des 19. Jahrhunderts auch in Europa zu einem Massenphänomen wird. Ihre Attribute erinnern an den bekannten Mythos vom tapferen Frauenvolk der Amazonen und zitieren die Praxis in früheren Allegorien der Erdteile. Der wunderbar schimmernde Bogen aus Edelholz und ein Köcher mit Pfeilen gehören hier jedoch einer Friedfertigen, die vom martialischen Charakter weit entfernt ist. Stattdessen umgibt sie ein Hauch von Exotik. Der elegante Korallenschmuck, ein leuchtend gelber Rock und das silbern schimmernde Armband, das farblich mit der Zierkante ihres Kopfputzes korrespondiert, verleihen ihr die modische Eleganz, die jeder Europäer zu goutieren wusste. Motive des Fremden und Gewohnten halten sich so die Waage in der Darstellung dieser anmutigen Frauengestalt, die mit ihren erotischen Reizen zugleich die typischen Vorstellungen von der Libertinage der Indigenen bedient. Dass der Schöpfer dieses Portraits sehr geschickt die seinerzeit fluktuierenden Motive der voyages pittoresques aufgriff und virtuos verarbeitete wird in der gesamten Bildkomposition deutlich. 1838 veröffentlicht Johann Moritz Rugendas seinen Traktat Voyage pittoresque dans le Brésil, zur selben Zeit erscheint das für die abendländische Rezeption des Landes am Amazonas höchst einflussreiche dreibändige Tafelwerk Voyage pittoresque et historique au Brésil von Jean-Baptiste Debret. Die detailliert wiedergegebene exotische Blume, die der Maler im unteren rechten Bildrand platziert, hat zwar keine botanische Authentizität, erinnert jedoch an Pflanzenstudien von Debret. Skurril schuppige Baumstämme, eine außergewöhnliche Palme mit herabhängenden Blättern und die kegelförmigen Behausungen im Hintergrund sind weitere Details eines fiktiven brasilianischen Lebensraumes, den der Maler in pseudo-dokumentarischer Absicht festhielt. Auch das Portrait selbst bringt Charakteristika zur Geltung, denen der Künstler in der Literatur begegnete. So berichtet Debret von barbusigen oder nackten Frauen, die mit Pfeilen bewaffnet sind, rauchen, den hier gezeigten Kopfputz tragen und ähnlichen Schmuck tragen. Doch keine dieser beschriebenen Eingeborenen ist der hier zum Bild gewordenen vergleichbar. Denn mit ihr, die nur auf den ersten Blick ein vermeintlich ethnologisches Studienobjekt darstellt, hat der Maler eine idealisierte, zwischen Exotik und Bekanntem oszillierende Schönheit geschaffen, die dem Brasilien-Bild der Zeit eine reizvolle Note gibt. Wir danken dem Botanischen Verein von Berlin und Brandenburg und besonders Dr. Joachim Rees für die wertvollen Hinweise.
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