Deutsche Wachwitzmetall-AG

Lot 305: Deutsche Wachwitzmetall-AG

Deutsche Wertpapierauktionen

November 3, 2016, 2:00 PM CET
Wolfenbüttel, Germany
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Description: Hersbruck bei Nürnberg, Aktie 1.000 Mark 6.6.1908 (Auflage 750, R 6). Sehr großformatig (28,5 x 40 cm), Originalunterschriften der Direktoren, Faksimile-Unterschrift Alexander von der Nahmer als AR-Vorsitzender. EF #276. (14) Als die AG im Juli 1900 in Nürnberg gegründet wurde, ahnten die Geldgeber noch nicht, was auf sie zukommen würde. Die Firmengeschichte liest sich wie eine gruselige Story vom Neuen Markt: für Metallprodukte aus Stahl-Aluminium hatte sich der Herr Heinrich Wachwitz Reichspatente erteilen lassen, deren Einbringungswert bei Gründung der AG mit 1 Mio. Mark beziffert wurden - so wurde gleich die erste Hälfte des Aktienkapitals von 2 Mio. Mark verfrühstückt. Die zweite Hälfte zeichnete der famose Bankier Dünkelsbühler, zahlte die Aktien aber nur mit 30 % ein. Die patentierte Stahl-Aluminium-Hightech funktionierte aber nicht so richtig, und chronischer Geldmangel behinderte die Produktion außerdem. Nun stand die Wachwitz-Gesellschaft in enger Geschäftsbeziehung mit dem Alexanderwerk A. von der Nahmer AG in Remscheid, welches auch erhebliche Vorschüsse gewährt hatte. “Infolge Verschwindens des früheren Vorsitzenden des Aufsichtsrats, des Bankiers M. Dünkelsbühler, der auf seine Aktien noch 70 % einzuzahlen hatte, wurde im Juni 1905 eine Hilfsaktion zu Gunsten der Gesellschaft notwendig”, heißt es im Börsenhandbuch. Und der Aufsichtsrat schreibt in seinem Bericht über das 5. Geschäftsjahr: “Die Hauptaufgabe ... war, die Werte der Bilanz gründlich zu prüfen und alle schwindelhaften Posten wie Patent-Konto und Beteiligungs-Konto auf ihre wahren Werte zurückzuführen. Ferner auf die Einrichtungen der Fabrik, welche für die jetzige Fabrikationsweise nur teilweise oder nicht mehr brauchbar sind, entsprechende Abschreibungen zu machen.” Im Klartext: Die Patente wurden von 1 Mio. M auf 150.000 M abgeschrieben, als Totalverlust erwies sich eine Beteiligung an der notleidend gewordenen Compound Metals Company Ltd. in London, ebenso wie 38.316 M Forderungen gegen den flüchtigen Bankier Dünkelsbühler. Gerade erst gebaute Glühöfen erwiesen sich als schlecht und mussten abgerissen werden. Der Gesamtverlust belief sich auf 1,082 Mio. Mark. Zur Sanierung wurden die Aktien des M. Dinkelsbühler nach vergeblicher Aufforderung zur Vollzahlung kaduziert und die geleistete Teileinzahlung zu Gunsten der Gesellschaft eingezogen, die übrige Million Aktienkapital wurde 4:1 zusammengelegt. Im Mai 1905 übernahm das Alexanderwerk in Remscheid, das inzwischen beinahe sämtliche Aktien besaß, eine Kapitalerhöhung um 750.000 M. Nicht uneigennützig: Tatsächlich floss gar kein Geld, sondern nachdem das Alexanderwerk den Gesamtvertrieb der Wachwitz-Erzeugnisse übernommen hatte, wurden hierfür geleistete Vorschüsse einfach verrechnet. Auch die neben dem Walzwerk nun neu eingerichtete Geschirrfabrik florierte nicht. Obwohl das Alexanderwerk in den Folgejahren weitere Forderungen erließ, war die Wachwitzmetall nicht zu retten: Am 15.11.1909 wurde die Auflösung der Gesellschaft beschlossen, im März 1910 wurde das Werk stillgelegt. Als im gleichen Jahr die famosen, nunmehr als wertlos bezeichneten Patente versteigert wurden, ersteigerte sie das Alexanderwerk nur deshalb zum Liquidationsbilanzwert von 100.000 M, um einen Konkurs der Wachwitzmetall zu verhindern. Die Bilanz des Alexanderwerks wurde durch den missglückten Ausflug nach Nürnberg so in Mitleidenschaft gezogen, dass dort von 1907-1911 die Dividende völlig ausfiel.
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