Lot 3227: SIGNAC, PAUL (1863 Paris 1935) Les Andelys.

Koller Auctions

December 7, 2012, 4:00 PM CET
Zurich, Switzerland
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Description: SIGNAC, PAUL
(1863 Paris 1935)
Les Andelys. Château-Gaillard. 1921.
Oil on canvas. Signed lower left: P. Signac.
65 x 92 cm.

Provenance:

- Georges Lévy, Paris (April 1922).

- Gleizes, Paris (Feb 1926).

- Gérard Frère, (Jan 1928).

- Galerie Rodriguès Henriques, Paris (1930).

- Gaston Lévy, Paris.

- Drouot Paris, Auction, 17. November 1932, Cat.No. 110 (with ill.).

- Maurice Bernheim.

- Private collection, Paris (via inheritance).

- Private collection.

Exhibited:

- Paris,1922: Salon des Independants, No. 3226, Paris 1922.

- Brussels 1923: Galerie Giroux, Brussels 1923.

- Cologne 1997: Pointillismus auf den Spuren von Georges Seurat, Wallraf-Richartz-Museum, Cologne, 6. September - 10. November 1997.

- Hiroshima 2003/2004: Monet and Renoir: Two Great Impressionist Trends, Prefectural Art Museum, 1. November 1 2003 - 15. January 2004, no.38, S.71 (with ill). Wanderausstellung: Tokyo, The Bunkamura Museum of Art, 7. Feb - 9. May 2004.

Literature:

- Chavance, René. 'Le Salon des Indépendants', La Liberté, 28. Jan 1922, p. 2.

- Hébert, P.'Le Salon des Indépendants', La Justice, 6. Feb 1922, p. 2.

- 'Enquête. Tableaux de chevalet ou peinture décorative' in Le Bulletin de la vie artistique, 15. Feb 1922, p. 77 (with ill.).

- Chavance, René. 'Le Salon des Indépendants', L'Explorateur Français, 20. Feb 1922, p.582.

- Kahn, Gustave. 'Exposition des Indépendants', Mercure de France, 1. March 1922, p.487.

- Roger-Marx, Claude. 'Le 33e Salon des Indépendants', Art et Décoration March 1922, p.66.

- Cachin, Françoise. Signac - Catalogue Raisonné de l'oeuvre peint, Gallimard, Paris 2000, No. 547, p. 316 (with ill.), size different from catalogue raisonné.

German Text
SIGNAC, PAUL
(1863 Paris 1935)
Les Andelys. Château-Gaillard. 1921.
Öl auf Leinwand. Unten links signiert: P. Signac.
65 x 92 cm.

Provenienz:

- Georges Lévy, Paris (April 1922).

- Gleizes, Paris (Februar 1926).

- Gérard Frère, (Januar 1928).

- Galerie Rodriguès Henriques, Paris (1930).

- Gaston Lévy, Paris.

- Drouot Paris, Auktion, 17. November 1932, Kat.Nr. 110 (mit Abb.).

- Maurice Bernheim.

- Privatsammlung, Paris (durch Erbschaft).

- Privatsammlung.

Ausstellung:

- Paris,1922: Salon des Independants, Nr. 3226, Paris 1922.

- Brüssel 1923: Galerie Giroux, Brüssel 1923.

- Köln 1997: Pointillismus auf den Spuren von Georges Seurat, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, 6. September - 10. November 1997.

- Hiroshima 2003/2004: Monet and Renoir: Two Great Impressionist Trends, Prefectural Art Museum, 1. November 1 2003 - 15. January 2004, no.38, S.71 (mit Abb.). Wanderausstellung: Tokyo, The Bunkamura Museum of Art, 7. Februar - 9. Mai 2004.

Literatur:

- Chavance, René. 'Le Salon des Indépendants', La Liberté, 28. Januar 1922, S. 2.

- Hébert, P.'Le Salon des Indépendants', La Justice, 6. Februar 1922, S. 2.

- 'Enquête. Tableaux de chevalet ou peinture décorative' in Le Bulletin de la vie artistique, 15. Februar 1922, S. 77 (mit Abb.).

- Chavance, René. 'Le Salon des Indépendants', L'Explorateur Français, 20. Februar 1922, S.582.

- Kahn, Gustave. 'Exposition des Indépendants', Mercure de France, 1. März 1922, S.487.

- Roger-Marx, Claude. 'Le 33e Salon des Indépendants', Art et Décoration März 1922, S.66.

- Cachin, Françoise. Signac - Catalogue Raisonné de l'oeuvre peint, Gallimard, Paris 2000, Nr. 547, S. 316 (mit Abb.), Masse im Werkverzeichnis abweichend.

Paul Signac gehört zu den einflussreichsten Künstlern des auslaufenden 19. Jahrhunderts, der mit der Erfindung des sogenannten Pointillismus die Türen für viele moderne Kunstströmungen geöffnet hat. 1884 treffen Paul Signac und Georges Seurat zusammen und entwickeln gemeinsam den divisionistischen Malstil, der als Post-Impressionismus oder Pointillimus in die Kunstgeschichte eingeht. Durch Seurats frühen Tod im Jahr 1891 wird Signac zum Wortführer dieser Kunstrichtung. Seine Farbtheorie legt er 1899 in dem Standardwerk 'D'Eugène Delacroix au Néo-Impressionisme' fest; untermauert wird dieses Traktat durch den Kritiker Felix Fénéon und den Naturwissenschaftler Charles Henry. Signac hält sich konsequent an seine Theorie und setzt sie auch in unserem Gemälde eindrücklich um. Anders als sein grosses Vorbild Claude Monet mischt er die Farben nicht mehr auf seiner Palette, sondern nutzt die neu aufgekommene Farbenlehre und setzt die Pigmente auf den Gemälden nebeneinander. Auf diese Weise bleiben die verwendeten Farben rein, kräftig und strahlend und das Auge des Betrachters übernimmt selbst die 'Vermischung der Farben'. Erst direkt vor dem Bild erkennen wir, dass es sich um einzelne, aneinander gesetzte Farbpunkte handelt; von Weitem erschliesst sich dem Betrachter ein einheitliches Gemälde. Dieser revolutionäre Einsatz von Farben macht es notwendig, den Werken eine klare Komposition zu Grunde zu legen, damit diese einzigartige Wirkung in Kraft tritt. Signac führt aber mit dem Pointillismus nicht nur eine neue Kunstgattung im ausgehenden 19. Jahrhundert ein, sondern die 'formal abstrahierende pointillistische Technik' legt den Grundstein für die 'gegenstands - und raumauflösenden Tendenzen des 20. Jahrhunderts' (zit.: art Directory).

Am Ufer der Seine stehend blickt der Betrachter auf das kleine Dorf Les Andelys und die sich darüber erhebenden Ruinen des geschichtsträchtigen Château-Gaillard. 1194 kehrt Richard Löwenherz, König von England, von seinem Dritten Kreuzzug zurück und will die englische Oberherrschaft an der Ostgrenze der Normandie festigen. Aus diesem Grund nutzt er den vom Papst auferlegten Frieden nach der Schlacht von Vêndome, um in nur zwei Jahren die gewaltige Grenzfestung Château-Gaillard mit Blick über das Seinetal, ca. 100 Kilometer von Paris entfernt, zu errichten. Unter Richards Bruder und Nachfolger Johann Ohneland wird die Festung zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Franzosen erfolgreich belagert, so dass 1204 die Normandie an Frankreich fällt. Im 14. Jahrhundert werden hier historische Persönlichkeiten wie Margarete von Burgund oder Karl II. von Navarra eingekerkert. Im 15. Jahrhundert folgen zahlreiche Belagerungen und die Burg fällt zwischendurch wieder an die Franzosen. Zuletzt wird sie durch Heinrich von Navarra belagert, geschliffen und an die Mönche von Les Andelys übergeben. 1611 beginnen die Abrissarbeiten, die nach kurzer Unterbrechung durch Richelieu fortgesetzt werden. 1852 werden die Ruinen in die Liste der monument historiques aufgenommen. Die Bäume am Ufer scheinen die Ruinen fast einzurahmen und lenken, auch durch ihre dunkleren Farben, den Blick des Betrachters direkt auf die hellen, in Gelb-, Rosa- und Weisstönen gehaltenen Ruinen. Darüber hinaus setzt Sigac die Spiegelung der Burg in der Seine effektvoll ein - fast hat man den Eindruck, sie würde bis zu unserem Ufer reichen. Pyramidenförmig läuft die Spiegelung auf uns zu und zieht unsere Aufmerksamkeit voll und ganz zu dem historischen Monument. Die überwiegend hellen, aber kräftigen Farben sind typisch für Signacs Farbpalette und erzeugen die für ihn so charakteristische, warme Atmosphäre.

Bereits 1886, zwei Jahre nach seinem ersten Zusammentreffen mit Georges Seurat, hält sich Paul Signac mehrere Monate in Les Andelys, im Norden der Normandie, auf; es entstehen zahlreiche Werke, die die Umgebung wiedergeben (siehe: Francoise Cachin, Signac. Catalogue raisonné, Nr. 119 - 128). Unter diesen Werken befindet sich auch eine Ansicht des Château-Gaillard (Abb. 1). 1921 reist er erneut nach Les Andelys und schafft u.a. eine zweite Version der Ansicht des Château Gaillard, die eindrucksvoll seine künstlerische Entwicklung darlegt. Die Version von 1886, heute im Nelson-Atkins Museum of Art in Kansas, ist Signacs Frühwerk zuzuordnen. Der Bildaufbau ist sehr streng und akademisch: im Vordergrund erstrecken sich Bäume, dahinter das Dorf, angedeutet durch die Häuser, und über allem erhebt sich die Burgruine. Die Punkte sind noch sehr klein, beschreiben aber exakte Farbflächen ohne dass es zu einer Vermischung kommt. Obwohl man den Weg in die Moderne und die neue Kunstrichtung sieht, spürt man doch noch die Unsicherheit des Künstlers. Ganz anderes in unserem Werk, das 25 Jahre später entsteht. Dieses Werk zeigt eindrucksvoll das Können des Künstlers, der seinen neuen Stil gefunden hat und ihn selbstsicher und qualitätsvoll umsetzt. Die Punkte sind freier und grösser geworden, die Farbflächen begrenzen sich nicht mehr gegenseitig, sondern fliessen zum Teil ineinander über, so dass die Komposition mehr Tiefe erhält. Gleichzeitig wird die Farbpalette reicher und vielseitiger. Auch der Bildaufbau zeigt einen reifen, erfahrenen Künstler. Das Augenmerk des Betrachters wird immer noch auf die Burg gezogen, aber Signac benötigt keine klassische Komposition mehr, sondern schafft mit subtilen Mitteln wie dem Einsatz der Farbe, der Spiegelung und auch der Positionierung des Betrachterstandpunktes am Ufer, unseren Blick zu lenken.

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