Maître de Martainville

Lot 1005: Maître de Martainville: Horae Beatae Mariae Virginis. Lat.-Frz. Hs. auf Pgt.

Galerie Bassenge

October 17, 2013
Berlin, Germany

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Description: Mit Miniaturen aus dem Umkreis des Maître du Martainville
Horae Beatae Mariae Virginis. Lateinisch-französische Stundenbuchhandschrift auf Pergament. 152 (4 weiße) nn. Bl. 17 linierte Zeilen. Schriftraum: 10,5 x 6,4 cm. Format: 18,5 x 12,2 cm. Text in Schwarz und Rot und Blau (im Kalendar), 12 2- bis 5zeiligen blauen und roten Ornament- und Rankenwerkinitialen auf Goldgrund, mit Hunderten von 1- bis 2zeiligen Goldlombarden auf rotem und blauem Grund mit weißer Federbinnenzeichnung, Hunderten von Zeilenfüllern in Gold und Farben, belebten 1- bis 3teiligen Dornblattrankenbordüren um jede Seite. Mit 12 großen und 18 kleinen Miniaturen in Gold und Farben sowie mit chrysographischer Binnenmalerei. Remboîtage eines Einbandes vom Ende des 16. Jahrhunderts (Gelenke minimal brüchig, leicht restauriert) mit Verklebung jeweils des ersten und letzten weißen Blattes als Vorsatz in die Innendeckel und mit Pergamentbezug einer liturgischen Handschrift des 16. Jahrhunderts in moderner blauer Maroquinkassette mit goldgeprägtem RTitel. Paris um 1490-1500.
Hübsches, dem Umkreis des Maître du Martainville zuzuschreibendes Stundenbuch aus der Ile-de-France um Paris. Der Stil der exzellenten Miniaturen steht ziemlich genau zwischen dem des Meisters der Grandes Heures d'Anne de Bretagna Jean Bourdichon aus der Provinz um Tours einerseits und andererseits dem zwischen 1490 und 1520 in Paris tätigen Jean Pichore, aus dessen Werkstatt eine ganze Anzahl von höchst qualitätvollen Miniaturhandschriften und sogar zwei gedruckte Stundenbücher hervorgingen. So sind beispielsweise die teils im verlorenen Profil, teils in Schrägsicht dargestellten Gesichter der lagernden Schafhirten in der Verkündigung an die Hirten oder auch das stark verkürzte Antlitz des Heiligen Markus auf seinem Autorenbild denjenigen des Jean Pichore bemerkenswert ähnlich. Weiterhin sind die typischen ovalen Gesichter der Frauen mit ihren besonders hübschen, zarten Zügen ein Markenzeichen dieses Illuminators ebenso wie die brillanten Farben und die überaus feinen Binnenstrukturen in minutiös aufgetragenen Gold. Siehe beispielsweise die thronende Muttergottes (12v) „Obsecro te domina sancta maria mater dei" (vgl. C. Zöhl, Jean Pichore Buchmaler, Graphiker und Verleger in Paris um 1500, Turhout 2004, S. 46-47, Abb. 44).
Das Stundenbuch gliedert sich, wie folgt:
Fol. 1r-6v Kalendar in französischer Sprache Monate Juli bis Dezember (ohne die Monate Januar bis Juni), in blauer, roter und brauner Tinte.
Fol. 7r-12r Evangelienperikopen mit Autorenbildern der Evangelisten
Fol. 12v-18v Obsecro te domina sancta Maria und O Intermerata et in aeternum benedicta
Fol. 19r-79r Horae Beatae Mariae Virginis ad usum romanum mit Stundengebeten für den Adventus Domini
Fol. 80r-85v Stundengebete Sancta Crux und Sanctus Spiritus
Fol. 86r-102v Beichtpsalmen und Litaneien der Heiligen Radegonde de Poitiers
Fol. 103r-140v Totenoffizium, das Officium defunctorum ad usum romanum
Fol. 141r-148v Suffragium trinitatis, sancti Johanni Baptiste et Evangeliste, ferner die Gebete zu den Erzaposteln und zu den Heiligen Saint Pierre, Saint Paul, Saint Sébastian, Saint Laurent, Saint Martin, Saint Nicolas, Saint Etienne, Sainte Anne, Sainte Madeleine, Sainte Marguerite und Sainte Catherine sowie dem Schutzpatron der Stadt Paris Saint Denis.

Die größeren Miniaturen sind jeweils in einen Bogenrahmen eingepasst und messen ca. 8,5 x 6,5 cm. Sie stehen am Kapitelanfang und sind von besonders prächtigen Bordürerahmen mit goldblauen Akanthusranken und leuchtenden Blümchen mit grünen und goldenen Blättern umgeben, unten im Balken dann oft ein Paradiestier (Schnecke, Pfau, verschiedene Vögel, Schmetterlinge und verschiedene Fabelwesen). Der Text in diesen Zierblättern beginnt meist mit einer großen roten oder blauen Initiale auf leuchtendem Goldgrund im Kasten mit ornamentalem Zierwerk (Ranken, geometrische Muster etc.). Die kleineren Miniaturen sind jeweils in quadratischem Rahmen und messen ca. 4,5 x 4 cm.

Zwei Miniaturen wurden wohl nicht ausgeführt, so ist die gesamte Seite 79v weiß geblieben und auf Seite 85v gibt es eine weiße Lücke von 3 Zeilen vor dem Beginn der Psalmengebete, die wohl ebenfalls für eine kleine Miniatur vorgesehen war.

Die großen Miniaturen im Einzelnen:
Fol. 7r Evangelist Johannes auf Patmos als jugendlicher Heiliger, der die Apokalypse verfasst, während der vom Bildrand überschnittene Adler im gegenüber steht.
Fol. 12v Thronende Muttergottes in blauem Mantel mit altvioletter Toga mit dem Jesuskind auf dem Schoß, das in denselben Stoff gekleidet ist.
Fol. 35r Visitation: Besuch der Gottesmutter von der Heiligen Elisabeth, Maria in Blau, die ebenfalls schwangere Mutter Johannis' in rotem Mantel, beide Gewänder in reichster Chrysographie.
Fol. 46v Geburt Christi im Stall zu Bethlehem mit Joseph und Ochs und Esel in ruinösem, ärmlichen Ambiente, den nackten, vom goldenen Strahl des heiligen Geists getroffenen Knaben hat Maria auf ihren Mantel gelegt.
Fol. 51r Verkündigung an die Hirten mit zwei Hirten, die in weiter Berglandschaft vor ihrer Herde gelagert sind und vom göttlichen Licht geblendet die Augen erheben.
Fol. 55r Anbetung der Heiligen Drei Könige, die in demselben ruinösen Stall dem Kinde ihre Gaben bringen, das auf dem Schoße der Maria, von einem violetten Baldachin hinterfangen sitzt.
Fol. 59r Darbringung im Tempel, Joseph mit goldener Kerze, der Priester mit Bischofshut
Fol. 62v Flucht nach Ägypten, Maria mit dem Wickelkind auf dem goldgekämmten Esel, der von Joseph durch die Lande geführt wird.
Fol. 69v Maria als Himmelskönigin vor dem überdimensionalen Goldthron wie sie von Christus mit einer ebenfalls eigentlich viel zu großen Krone gekrönt wird.
Fol. 80r Kreuzigung mit betendem Johannes und Maria auf dem Hügel Golgatha mit blauer Bergkette im Hintergrund.
Fol. 83r Pfingstwunder mit der Ausschüttung des Heiligen Geistes über Maria und den Aposteln vor dem grünen Altar und unter der von Goldstrahlen umgebenen weißen Taube.
Fol. 103r Hiob auf dem Misthaufen, von den ehrfürchtigen Freunden besucht, die für ihn beten. Sehr realistisch sind Hiobs Beine schon im mit Goldheu besprenkelten Dung eingesungen.

Die kleinen Miniaturen im Einzelnen:
Fol. 8v Evangelist Lukas als grauhaariger bärtiger Mann, dem sein Symboltier, der goldene Stier beim Verfassen des Evangeliums zusieht.
Fol. 10r Evangelist Matthäus mit dem geflügelten Menschen als Symbol zur rechten, der ihm das Tintenfass reicht, in das der Evangelist die Feder taucht, das Buch auf dem Schoße.
Fol. 11v Evangelist Markus mit phrygisch-orientalischer Mütze, der an seinem Federkiel schnitzt, während ihm der goldene Löwe im Hintergrund verdutzt zusieht.
Fol. 16r Pietà - Madonna mit dem Toten Christus im Schoß, im Hintergrund Berglandschaft
Fol. 141r Schmerzensmann als Gnadenstuhldarstellung mit Gottvater, der den Gekreuzigten hält. Über diesem erscheint die Taube als Symbol der Trinität.
Fol. 141v Johannes der Täufer mit Lamm (stärker abgerieben). Fol. 142r Johannes Evangelista mit Kelch. Fol. 142v Heiliger Petrus mit Schlüssel und Buch. Fol. 143r Heiliger Paulus mit Schwert. Fol. 143v Heiliger Sebastian mit Goldpfeilen im Leibe. 144r Heiliger Laurentius mit Grillrost. 144v Heiliger Dionysius mit abgeschlagenem Kopf, der Stadtpatron von Paris. 145r Heiliger Martin mit dem Bettler, sein Schwert aus der Scheide ziehend. 145v Heiliger Nikolaus mit den geretteten nackten Seelen. 146r Heiliger Stephanus mit Buch, Märtyrerpalme und Stein am Kopfe. 146v Heilige Anna, die Maria, ihrer Tochter, das Lesen beibringt. 147r Heilige Magdalena mit goldenem Salbgefäß und zartem Haarschleier. 147v Heilige Margarete mit dem furchterregend großen grünen Drachen und einem kleinen Goldkreuz in Händen. 148r Heilige Katharina mit großer gemmenbesetzter Goldkrone und schwarzem Schwert.
- Aus dem Kalendar fehlen die ersten 6 Blätter (Monate Januar bis Juni), weiterhin blieben, wie oben erwähnt 2 Lücken für Miniaturen unausgefüllt, sonst scheint das Buch in sich komplett zu sein. Durchgehend etwas stärker knittrig und gewellt, durch das neuere Einbinden liegen die Lagen etwas unsauber aufeinander, der Schnitt mit kleinem Braunfleck durch Wassereinwirkung durch viele Seiten, vereinzelt etwas angeschmutzt und fingerfleckig sowie mit Gebrauchsspuren. Mehrere Miniaturen mit geringem Farbabklatsch auf die Gegenseite und einige teils etwas stärker abgerieben und mit kleine Farb- bzw. Goldabplatzungen, insgesamt aber meist sehr gut erhalten und in guter Erhaltung.
Artist or Maker: Maître de Martainville
Exhibited: Horae Beatae Mariae Virginis. Lat.-Frz. Hs. auf Pgt.
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